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Die Open Source Revolution
Open Source als Wegweiser in eine neue Ära der Softwareentwicklung.
Dipl. Inf. (FH) Dominik Bartenstein
Mag. (FH) Karin Feurstein
Thomas Geiger
Was ist Open Source?
Der Begriff "Open Source" ist
die Neuschöpfung eines Namens für ein Phänomen,
das fast so alt ist wie die Computerindustrie. Es ist der
Versuch einen Begriff zu etablieren, der die Entwickler und
Verfechter Freier Software der Notwendigkeit enthebt, ständig
sowohl zwischen kostenloser Software und Freier Software als
auch zwischen den verschiedenen Lizenzen Freier Software differenzieren
zu müssen (vgl. O'Reilly 1999). Der Begriff Open Source
wurde geprägt, um einen gemeinsamen Namen für die
Lizenzen benutzen zu können, die Freiheit im Sinne der
Wissenschaft verkörpern.
Der Begriff Software bezeichnet Programme,
welche auf einem Computer ausgeführt werden können.
Der Bauplan von Software wird als Quellcode (Sourcecode) bezeichnet.
Dieser für Menschen verständliche Quellcode muss
in für den Computer verständlichen Maschinencode
(Binärcode) übersetzt werden. Bei proprietärer
Software wird lediglich der Maschinencode ausgeliefert, der
Quellcode hingegen, also das Rezept, bleibt ein streng gehütetes
Geheimnis. Da diese Form jedoch keine Veränderungen an
einem Programm ermöglicht, erfordert die Entwicklung
Freier Software die Verteilung des Quellcodes (vgl. O'Reilly
2003). Der offene Quellcode ist nur eine von vier Freiheiten,
die den BenutzerInnen Freier Software eingeräumt werden.
Weiters haben die BenutzerInnen die Freiheiten:
- das Programm für jeden Zweck zu benutzen
- Kopien weiterzuverbreiten, sodass man anderen
UserInnen weiterhelfen kann
- das Programm zu verbessern und die Verbesserungen
der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, damit
die ganze Gemeinschaft davon profitiert
Die SchöpferInnen Freier
Software glauben daran, dass nicht Geheimniskrämerei,
Dominanz und schnöder Mammon, sondern Offenheit und der
freie Wettbewerb von Ideen wahren Fortschritt bringt; und
zwar für alle, da die Verbreitung von Wissen nicht mehr
kontrolliert und schon gar nicht reglementiert werden kann
(vgl. Die Zeit 2003, S. 17). Der Mensch der ersten Stunde
ist hierbei Richard M. Stallman. Stallman, der damals Software-Entwickler
am MIT war, gründete 1985 in den USA die Free Software
Foundation (FSF). Sein primäres Ziel war es, den aufkeimenden
Besitzansprüchen etwas entgegenzusetzen und mit anderen
zusammen ein freies Betriebssystem zu entwickeln. Jeder sollte
es ungehindert nutzen, kopieren, verändern und weitergeben
dürfen. Diese Grundsätze schrieb er in der General
Public License (GPL) fest, nach der die beliebige Verwertung
erlaubt ist, vorausgesetzt, dass Weiterentwicklungen ebenfalls
frei verwertbar bleiben, sobald sie veröffentlicht werden.
Das wohl bekannteste Beispiel Freier Software
ist Linux. Der Entwickler dieses Betriebssystems, Linus Torvalds,
stellte die Anfänge seines Werkes 1991 frei ins Internet
und forderte ProgrammiererInnen weltweit dazu auf, an der
Weiterentwicklung mitzuarbeiten. Längst ist auch die
Wirtschaft vom Linux-Fieber infiziert. Immer mehr Firmen erkennen
das Potenzial Freier Software. Die ExpertInnen sprechen allerdings
von Open Source, ein Begriff, der in der Phase der New Economy
entstand und sich besser vermarkten ließ. Der Begriff
Freie Software wird jedoch vielfach missverstanden, da das
Wort "frei" unweigerlich mit "kostenlos"
assoziiert wird. "Frei" bedeutet in diesem Zusammenhang
jedoch vielmehr "Freiheit des Geistes" im Sinne
der gemeinsamen Nutzung. Linus Torvalds konstatiert in diesem
Zusammenhang, dass das System offen und demokratisch bleiben
soll. Jeder Mensch soll die Möglichkeit haben diese Software
zu nutzen, zu verändern und weiter zu entwickeln. Ein
fundamentales Prinzip, das erst von einzelnen Softwaremonopolisten
gebrochen wurde, um nun in rasantem Tempo wieder zu neuem
Leben erweckt zu werden.
Warum Open Source?
Open Source ist Software mit frei verfügbarem Quellcode,
der verändert, erweitert und verbessert werden darf.
Die Vorteile für die BenutzerInnen liegen in mehreren
Tatsachen begründet. Freie Software weist zum einen ein
hohes Maß an Sicherheit auf. Viren treten bei Freier
Software wesentlich seltener auf als bei proprietärer
Software und wenn sie entdeckt werden, können sie schnell
entfernt werden (vgl. Dravis 2003, S. 20). Darüber hinaus
fallen für die BenutzerInnen die oft hohen Lizenzgebühren
weg. Freie Software kann entweder direkt aus dem Internet
heruntergeladen werden, oder aber man bezahlt geringe Gebühren
für Softwarepakete, die es dem Laien einfacher machen
die Software zu installieren. Durch die Transparenz, die von
Freier Software durch die Offenlegung des Quellcodes gewährleistet
wird, wächst auch das Vertrauen in das Produkt. Eine
weltweite EntwicklerInnengemeinschaft (Community) arbeitet
ständig an dessen Verbesserung und dies kommt in weiterer
Folge den AnwenderInnen in Form von sicherer, stabiler und
unabhängiger Software zu Gute.
Nicht zuletzt soll an dieser Stelle auch die
Unabhängigkeit von Softwaregiganten erwähnt werden.
Die kontinuierliche Anpassung von Freier Software durch die
weltweit agierende Community gewährleistet Programme,
die auf dem Prinzip der offenen Weiterentwicklung basieren,
allgemeine Standards einhalten, weniger Fehler aufweisen (und
auf dem neuesten Stand sind). Open Source wirkt somit der
elektronischen Kolonialisierung erfolgreich entgegen.
Die Vorteile von Open Source oder Freier Software
werden immer häufiger auch von wirtschaftstreibenden
Unternehmen erkannt. Bis 2007, so schätzt das Marktforschungsunternehmen
Soreon, wird jedes vierte Unternehmen Open-Source-Software
einsetzen. Die Entscheidung, proprietärer Software den
Rücken zu zukehren, würde von ihnen vor allem mit
dem Sparpotenzial, der Sicherheit und der Stabilität
begründet (vgl. Die ZEIT 2003, S. 18).
Auch global gesehen hat Freie Software Vorteile.
Für viele Entwicklungsländer bietet die Nutzung
von Freier Software die Möglichkeit technologisch aufzuschliessen.
Sie können erstmals individuelle Anwendungen erstellen,
ohne dafür horrende Lizenzgebühren zahlen zu müssen.
Web-Seiten, die auf Open Source Software basieren können
beispielsweise für elektronische Portale, Bildungsinformation
oder Marketingaktivitäten lokaler Händler herangezogen
werden. E-Mail Services werden verwendet um regionale, bzw.
globale Kommunikation zu gewährleisten. Für Entwicklungsländer
kann die Verwendung von Open Source somit einen ersten Schritt
in eine bessere Zukunft bedeuten.
Bedrohungen für
die Open Source Entwicklung
Open Source steht für Transparenz und Offenheit. Dieses
einfache und "demokratische" Konzept ist jedoch
substantiell gefährdet, vor allem wenn das amerikanische
Patentsystem auf europäischer Ebene übernommen werden
sollte. Jenes System ermöglicht die Patentierung auf
Algorithmen. Bereits jetzt existieren absurde Softwarepatente
wie z.b. das Patent auf den Fortschrittsbalken. Sollten Softwarepatente
von der EU wirklich erlaubt werden, könnten schwere Zeiten
für Open Source EntwicklerInnen anbrechen. Die Grünen
stellen sich vehement gegen dieses Patentsystem. Gerade bei
Informationstechnologie, einer der Basistechnologien der Zukunft,
darf dies nicht geschehen. Damit verfolgen die Grünen
ein Ziel, das immer mehr AnhängerInnen findet. Inzwischen
haben über 300.000 Menschen eine Petition der Eurolinux-Allianz
unterstützt, die sich gegen Softwarepatente einsetzt
(vgl. http://petition.eurolinux.org). Bei der ersten Abstimmung
im Europaparlament über das Patentgesetz haben die Grünen
Abgeordneten geschlossen dagegen gestimmt.
Weitere Bedrohungen für die Verbreitung
von Open Source stellen vielfach die Unwissenheit der BenutzerInnen,
fehlende Information und daraus resultierend die Scheu vor
dem "Neuen" dar.
Auch für proprietäre Betriebssysteme
steht Freie Software zur Verfügung. Der Internetbrowser
und E-Mailclient Mozilla oder das Officepaket OpenOffice sind
erfolgreiche Beispiele dafür. Für SkeptikerInnen
bieten diese Programme eine gute Möglichkeit sich langsam
an Open Source Software heranzutasten. Um dem Problem der
fehlenden Information entgegenzuwirken ist es unabdinglich
engagierte Menschen zu finden, die den Open Source Gedanken
nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch verbreiten.
Hierfür scheinen Menschen prädestiniert, deren eigene
Ideologie mit den fundamentalen Prinzipien der Freien Software,
wie Freiheit des Geistes, Zusammenarbeit, Offenheit, Transparenz
und Demokratie, übereinstimmt.
Erfolgreiche Open Source
Projekte
Die Open Source Initiative kann inzwischen schon auf zahlreiche
erfolgreiche Projekte zurückblicken. Diese Projekte sind
der Beginn einer Entwicklung, die in Zukunft noch rasanter
vorangetrieben werden soll.
Die Münchner Stadtverwaltung beschloss
2003 rund 14.000 Rechner auf das Open Source Betriebssystem
Linux umzustellen. Dies hat zu einer Welle weiterer Anfragen
aus aller Welt geführt. Brasiliens Präsident Luiz
Inácio Lula da Silva hat 2003 eine Richtlinie entsandt
die besagt, dass 80 Prozent der von der Regierung im Jahre
2004 gekauften Computer mit Open Source Software laufen sollen.
Im September 2003 haben die Regierungen von Japan, China und
Südkorea angekündigt neue Betriebssysteme für
Mobiltelefone, Digitalkameras und Navigationssysteme auf Basis
von Linux zu entwickeln. Indien und Malaysia sind weitere
Beispiele dafür, dass Open Source Software in verstärktem
Maße eingesetzt wird. Indien hat in diesem Zusammenhang
die Linux India Initiative verabschiedet, die in verschiedenen
Pilotprojekten den Einsatz von Open Source prüfen soll.
Malaysia hat wiederum ein Investitionsprogramm ins Leben gerufen,
das Open Source Software Unternehmen unterstützen soll.
Österreich steht noch am Anfang seiner
Open Source Bemühungen. Ein erster Schritt wurde im Juni
2003 von den Grünen gesetzt, in dem sie einen Antrag
zur Einführung von Open Source Software auf den Arbeitsplatzcomputern
der Stadt Wien eingebracht haben. Dieser Antrag wurde bereits
positiv beantwortet. Im Juni 2004 wird die Stadt Wien dazu
eine Studie veröffentlichen, die primär klären
soll, ob und wenn ja, wann und wie ein Umstieg in Wien möglich
sein wird. Auch in Vorarlberg haben die Grünen eine Anfrage
zum Thema Freie Software in den Landtag eingebracht.
Quellen und weiterführende
Links:
Dravis, Paul (2003): Open Source Software: Perspectives for
Development. Online unter: http://www.infodev.org,
Stand: 29.01.2004.
Lütge, Gunhild (2003): Programmierer aller Länder
vereinigt Euch! In: Die Zeit 44, 23. Oktober 2003, S. 17 -
18. Online unter: http://www.zeit.de/2003/44/Open_Source
O'Reilly Verlag (1999): Open Source - kurz & gut. Quelle:
Online unter http://www.oreilly.de/german/freebooks/os_tb/os_tb_1.htm#HEADING1-15,
Stand: 24.01.2004.
Onlinepetition gegen Softwarepatente: http://petition.eurolinux.org
Studien des Bundesministerums für Wirtschaft und Arbeit
zu Open Source:
http://www.open-source.at/bmwa0/Public/os_studie/, Stand 26.03.04
Informationsportal: http://www.bundestux.de
Projekt: Open Source Live on Stage: http://www.os04.at
Das Grüne Open Source Projekt: http://www.gruene-opensource.net
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