Schulmisere in Penzing
11.02.2010 10:52
Rund drei Viertel der Eltern brauchen für ihre Kinder eine ganztägige Betreuung. Das Beispiel Penzing zeigt, dass Wien dieser Herausforderung nicht gewachsen ist.
Von den 10 öffentlichen Volksschulen in Penzing ist keine einzige eine echte Ganztagsschule mit einer verschränkten Abfolge von Unterricht und Freizeit. Sechs Schulen sind sogenannte "Offene Schulen", an denen für einen kleinen Teil der Kinder Nachmittagsbetreuung angeboten wird. In den nächsten Jahren sollen ohne jegliche bauliche Erweiterung alle Volksschulen auf "Offene Schulen" mit Tagesbetreuung umgestellt werden. Zu wenig Bewegungsfreiheit und eingeengte Gestaltungsmöglichkeiten für die Kinder werden in Kauf genommen.
Beispiel "Offene Schule" Diesterweggasse
Ein Teil der Kinder der Volksschule Diesterweggasse geht in einen Hort, der andere Teil besucht eine Nachmittagsgruppe der Schule. Um mehr ganztägige Plätze anbieten zu können, werden 6 Container aufgestellt, je zwei übereinander, obwohl dieser Standort durch bauliche Maßnahmen erweitert werden könnte, da Platz genug vorhanden ist. Das Argument, der Platzbedarf sei nur vorübergehend, gilt jedenfalls nicht, da die Eltern auch in Zukunft eine ganztägige Betreuung benötigen werden. Weiters wird ein zweiter Speiseraum eingerichtet. Sinnigerweise beginnt man mit den Bauarbeiten im September und nicht im Juli.
Beispiel Zennerstraße
Die Volksschule Zennerstraße wird seit dem Schuljahr 2008/09 als Offene Schule geführt und hat drei Nachmittagsgruppen für 60 Kinder bei insgesamt 12 Klassen (ca.280 Kinder). Im November 2009 haben sich die Eltern und Lehrerinnen aus Sorge um die Qualität der Nachmittagsbetreuung an die Öffentlichkeit gewandt. Ohne jeglichen Ausbau der Räumlichkeiten soll nun die Zahl der Plätze in der Nachmittagsbetreuung erhöht werden. Der Brief der Schule liegt bei.
Beispiel Hadersdorf, Hauptstraße 70
Seit 1974 standen bei dieser Schule zwei Container, die sich bereits in einem desolaten Zustand befanden als sie 2009 abgerissen und durch vier neue ersetzt wurden. Die Erweiterung der Schule erfolgt also auch hier durch Container. Hadersdorf wird als "Offene Schule" geführt und hat ebenfalls nur für einen Teil der Kinder Platz in der Nachmittagsbetreuung. Die anderen Kinder gehen in umliegende Horte, nicht nur aus Mangel an Plätzen an der Schule, sondern auch wegen der besseren Qualität in den Horten. Die Schule verfügt nach wie vor nicht über Küche und Speisesaal, sondern geht zu Mittag in die benachbarte Kooperative Mittelschule.
Die KMS Hadersdorf hat 1 Container, die ASO Linzerstr. 4 Container, die VS Linzerstr. 1 Container.
Bedarf ist größer als angenommen
In einer Anfragebeantwortung an den Bezirk versteckt sich Stadtrat Oxonitsch hinter einem schwachen Bevölkerungswachstum in den nächsten Jahren, der steigende Bedarf an ganztägigen Plätzen soll mit Containern abgedeckt werden. Eine Recherche ergibt: In Hadersdorf ist fast gegenüber von der VS Hauptstraße 70 eine neue Wohnhausanlage in Bau. Auf der Liegenschaft der Stadt des Kindes wird eine Wohnanlage mit 252 Wohnungen errichtet. Es ist eine große Wohnanlage in Planung in der Zimbagasse (derzeit noch Industriegebiet, soll umgewidmet werden). Bereits fertiggestellt ist eine neue Wohnhausanlage in der Loudonstraße. Ebenfalls bereits fertiggestellt die Wohnhausanlage Wurzbachtal.
Unter den gegebenen Bedingungen ist es den Eltern kaum noch möglich, ihre Wahl nach pädagogischen Kriterien zu treffen. Sucht man in Penzing nach einer bilingualen Schule, so wird man dies vergebens tun. Sucht man eine Mehrstufenklasse, so stößt man auf ein kleines Angebot, das zwei der 10 Schulen bieten - insgesamt sind es 5 Mehrstufenklassen, die ca. je 5 Kinder aufnehmen, das heißt 25 Penzinger Kinder kommen jährlich in den Genuss einer Mehrstufenklasse! Die Begriffe Montessori entdeckt man auf zwei der zehn Homepages und Freineit gibt es überhaupt nur in einer einzigen Schule. Die Lage ist unbefriedigend und entspricht nicht der Nachfrage der Eltern.
Was wir fordern:
- Keine Dauer-Containerlösungen
- Bauliche Erweiterungen an allen Schulen im Bezirk, wo dies bautechnisch möglich ist
- Reduktion der parallel geführten Jahrgangsklassen, um Freiraum zu schaffen an jenen Schulen, die nicht baulich erweitert werden können
- Neubau einer Ganztags-Volksschule
- Mehrstufenklassen an allen Standorten
- Montessori und/oder Freinet an allen Schulstandorten
A-1082 Wien, Stiege 6
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Fax: +43 1 4000 99 81800
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