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Donnerstag, 17. Mai 2012

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Flakturm Arenbergpark: Gedenkstätte statt Datencenter

08.02.2010 10:38

 

Der Flakturm ist kein x-beliebiges Industriegebäude sondern ein Baudenkmal und darf nicht zerstört werden.

Die Flaktürme in Wien sind wichtige Relikte aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, die vor allem als Mahnmale für Zwangsarbeit und den nationalsozialistischen Vernichtungskrieg stehen.

Fast unverändert erhalten

Beim Leitturm im Arenbergpark handelt es sich um einen der wenigen Flaktürme, die noch weitgehend unverändert erhalten sind, und damit um ein Baudenkmal nicht allein von österreichischer, sondern auch von internationaler Bedeutung. Seine authentische innere Raumstruktur findet man in keinem der übrigen fünf Wiener Flaktürme vor; die Berliner Flaktürme wurden nach dem Krieg gesprengt, die Hamburger großteils zerstört bzw. umgestaltet. Somit ist der ehemalige Leitturm im Arenbergpark von international singulärer Bedeutung, seine Schutzwürdigkeit als Denkmal hat in Hinblick auf mögliche zukünftige Nutzungen als Gedenkort wohl höchste Priorität.

Foto: © iFAG, Fotograf: Mag. Stephan Matyus

 

Offensichtlich fehlt sowohl Planungsstadtrat Schicker als auch Wohnbaustadtrat Ludwig die nötige Sensibilität für das Erbe der Stadtplanungs- und Bautätigkeit der Nationalsozialisten in Wien, sonst hätte es schon lang eine Auseinandersetzung mit den Bauten dieser Zeit seitens der Stadt Wien gegeben.

Bis heute gibt es an keinem der sechs Wiener Flaktürme Gedenk- oder Informationstafeln, laut Stadtrat Ludwig ist das auch in Zukunft nicht geplant. Die beabsichtigte Vermietung und Umfunktionierung als Datencenter würde den dringenden Bestrebungen, den ehemaligen Leitturm im Arenbergpark endlich als Gedenkstätte auszuweisen, konterkarieren.

Beeinträchtigung für den Park

Ein Datenlager benötigt, abgesehen von einer Bauweise, die erhöhten Sicherheitsanforderungen entspricht, eine konstante Stromzufuhr und Klimatisierung. Dazu braucht es Hochspannungsleitungen und Transformator, sowie kraftvolle Notstromaggregate, Akkumulatoren, Klimaanlage und Dieseltank. Die Wartung rund um die Uhr bedeutet Liefer- und Wartungsverkehr. Der Sicherheitsprobebetrieb der Generatoren mindestens einen Monat brächte Lärm und Abgase aus einem Dieselverbrauch von etwa 450 l pro Stunde im Park. Die Umfunktionierung des Leitturms in ein Datencenter ist nur über massive bauliche Veränderungen im denkmalgeschützten Außen- und Innenbereich möglich!

Kritikpunkte und Forderungen:

  • Adäquate Nutzung für den Arenbergpark Flakturm als Gedenkstätte zum Thema Zwangsarbeit und den Schrecken des Krieges
  • Zugänglichkeit mittels "Kommentierten Führungen" ähnlich dem Berliner Projekt www.zwangsarbeit-in-berlin.de
  • Sachliche Diskussion statt Verträge unter Ausschluss der Öffentlichkeit
  • Runder Tisch: MA 34, Bundesdenkmalamt, Kulturabteilung der Stadt Wien, WissenschaftlerInnen und Bezirksvertretung mit Informationen über die aktuellen Vorhaben und Planungen und fachliche Bewertung
  • Information der Bevölkerung über die Auswirkungen der geplanten Vermietung des Flakturms als Datencenter

Der Flakturm ist kein x-beliebiges Industriegebäude, sondern ein Baudenkmal von europäischem Rang. Jedenfalls ist eine öffentliche Diskussion darüber zu führen, ob die Nutzung des Flakturms als Datencenter vertretbar ist. Damit würden massive bauliche Veränderungen eines einzigartigen historischen Zeugnisses der NS-Zeit, errichtet von Zwangsarbeitern, in Kauf genommen. Zudem ist zu klären, inwieweit der Erholungswert des Arenbergparks beeinträchtigt wird.



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